Korbflechten als Therapie
Schon vielen Frauen hatte er einen Korb gegeben. Nicht nur
sprichwörtlich sondern auch in Wirklichkeit. Denn Achim Ossdorf ist
Korbflechter von Beruf. Achim ist schon eine ganze Weile solo, denn er ist sehr
anspruchsvoll was Frauen betrifft. Er ist sehr wählerisch was Frauen angeht.
Wahrscheinlich deshalb, weil er mit seiner Ex Frau so viel Pech hatte. Sie war
Alkoholikerin. Er hat wegen ihr viel durchgemacht. Immer wieder ist sie
rückfällig geworden. Er hat sich regelrecht
in seine Arbeit vertieft um die Sache mit seiner Frau zu vergessen. Achim ist
sehr attraktiv und er bekommt öfter Angebote von Frauen aber er gab allen einen
Korb. Nicht nur seine selbst geflochtenen Körbe, sondern auch die
sprichwörtlichen Körbe.
Er schlug viele Angebote aus, weil er Angst hatte wieder
enttäuscht zu werden von einer Frau.
Und es sah so aus als ob es auch so bleiben sollte bis eines
Tages eine Frau bei ihm einen Korb bestellte den er noch nie geflochten hatte.
Aber er sagte zu der Frau: „Das kriege ich schon hin. Sie sollen sehen auch sie
kriegen einen Korb von mir.“ Die Frau verließ die Werkstatt von Achim und er
saß vor seinem Arbeitstisch und wusste einfach nicht wie er diesen für ihn
schwierigen Korb fertig stellen sollte. Er bekam einfach nichts hin und er
wusste nicht wie er den Korb beginnen sollte. Am nächsten Tag war die Frau
wieder in seiner Werkstatt und erkundigte sich nach ihrem bestellten Korb. „
Was sie haben noch nicht einmal angefangen. Dann muss ich wohl zu einem anderen
Korbflechter gehen.“ „ Nein gute Frau. Sie werden sehen in ein paar Tagen ist
der Korb fertig gestellt. Sie werden sehen. Bis jetzt habe ich noch jeder Frau
einen Korb gegeben, die bei mir einen bestellt hat.“ „ Wie meinen sie das
denn?“ fragte die Frau. „ So wie ich es gesagt habe.“ „ Na dann bin ich mal
gespannt. Bis jetzt habe ich im Leben noch nie einen Korb gekriegt von einem
Mann. Sie wären der erste, der mir einen Korb geben würde. Ich wette, wenn ich
es drauf anlegen würde, dass sie mir keinen Korb geben würden.“ „ Oh da sind
sie aber die erste die mir so etwas sagt. Und ich wette, dass sie einen
kriegen. Erst einen Geflochtenen, und dann auch eine Absage von mir.“ „Sie
würden mir einen Korb geben.“ „ Ja das würde ich.“
Die Frau ging wieder und Achim war wieder alleine in seiner
Werkstatt. Er wollte sich etwas ablenken indem er den Korb, den er für die Frau
flechten wollte, erst einmal beiseite stellte und einen für ihn leichten Korb
flechten wollte.
Aber er merkte dass er auf einmal nicht mehr flechten
konnte. Er dachte immer an den anderen Korb und an das, was die Frau zu ihm
gesagt hatte. Und nun war bei ihm eine Blockade entstanden. Er konnte auf
einmal gar nicht mehr flechten. Er kriegte nichts mehr hin. Und er regte sich
über diese Frau auf. „ Was bildet sich diese Frau ein. Die meint wohl die
könnte jeden um den Finger wickeln.“
Am nächsten Tag wollte er ein bisschen flechten aber es ging
wieder nicht. Er musste immer an diese Frau denken. „ Was denkt die eigentlich.
Und ich werde ihr doch einen Korb geben. Aber ich kann ihr gar keinen Korb
geben, wenn ich es nicht schaffe einen zu flechten.“
Die Frau kam wieder in die Werkstatt von Achim. „ Und sind
sie schon angefangen mit dem Korb.“ „ Nein, ich habe auch noch andere Arbeiten
zu machen.“ „Geben sie es doch zu. Sie können es nicht, ich meine mir einen
Korb geben. Sie können ja noch nicht mal einen flechten für mich.“ „ Und ob ich
das kann. In vier Arbeitstagen haben sie ihren Korb. Und zwar kriegen sie sogar
zwei von mir.“ „ Das werden wir ja sehen.“ sagte die Frau.
Achim saß ganz schön in der Tinte. Er konnte nicht mehr
flechten und dann hat er der Frau auch noch gesagt, dass er in vier Tagen den
Korb zu Ende geflochten hat.
Aber Achim dachte sich. „Ich muss das ganze als Therapie
sehen. Wenn ich den Korb doch flechten kann, dann wird diese Frau aber gucken.
Und er musste an seine Ex Frau denken. Und was er alles mitgemacht hatte mit
ihr. Und er verglich diese Frau mit seiner. Und er dachte: „Wenn ich dieser
Frau widerstehe dann habe ich vielleicht auch die Chance die schlimmen Zeiten,
die ich mit meiner Frau hatte besser zu vergessen. Und mich dann wieder öffnen
kann zu einer neuen Beziehung. Und er dachte immer daran. „ Wenn ich diesen
Korb zu flechten schaffe, dann habe ich das Trauma vielleicht überwunden.“
Und mit diesen Gedanken ging er am nächsten tag frisch ans
Werk. Und es klappte. Er fing an zu flechten und auf einmal wusste er ganz
genau wie es gehen musste. Und vier Tage später war der Korb fertig. Immer
wieder dachte er an seine Frau und war durch das Korbflechten wie in einer
Therapie.
Als die Frau nach vier Tagen zu ihm kam ging sie fröhlich
hinein in der Annahme, dass sie keinen Korb von ihm kriegen würde. Doch auf
einmal kam er aus seiner Werkstatt und gab ihr einen Korb der tadellos
geflochten war und er sagte: „Ich wollte ihnen einen Korb geben.“ „ Wie haben
sie denn das hingekriegt, vor vier Tagen konnten sie doch gar nicht mehr
flechten. Aber mir können sie trotzdem nicht widerstehen, wollen wir wetten.“
Die Frau fing an sich auszuziehen aber in dem Moment kam eine andere Kundin in
die Werkstatt. Sie ging hinein und sagte
„ Ich störe wohl.“ „ Ja sagte die andere Frau. Die Werkstatt
ist geschlossen. Da sehen sie doch.“ Doch Achim sagte zu der Kundin: „ Kommen
sie ruhig herein. Die Werkstatt ist natürlich noch geöffnet. Ich wollte dieser
Frau nur noch einen Korb geben und dann wollte die Frau auch schon gehen.“
Empört sagte die Frau. Das ist mit noch nicht vorgekommen und verließ die Werkstatt.
Und Achim sagte hinter ihr her: Jetzt haben sie doch zwei Körbe von mir
gekriegt. Das hätten sie wohl nicht gedacht.“
Und tatsächlich nach diesem Ereignis war Achim therapiert
und zwei Jahre später heiratete er erneut und hatte eine liebe, nette und
hübsche Frau gefunden.
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